Flussneunauge

Mit einer Gesellschaft junger Forschungsreisender und dem Biogeografen Oskar Neumann des Museums für Naturkunde Berlin haben wir uns auf die Suche nach den unsichtbaren Zeitgenossen der innerstädtischen Spree gemacht. Für zwei Wochen im August 2014 wurden wir zu einer einer paddelnden Forschungsgesellschaft unterschiedlicher Generationen.

Da ein Raum wie die Spree reich an Geschichten und potentiellen Funden ist, unterteilten wir die zu befahrene Strecke in unterschiedliche “Lebensräume”. Diese wurden in verschiedenen Exkursionen in den Fokus gerückt, Gefundenes in Logbüchern verzeichnet und in thematischen Karten geordnet und dokumentiert. Unsere Kanus waren zugleich Arbeitsplatz, Filmstudio, Beobachtungsstation, Spielraum, Gesprächs- und Denkraum, wie auch Lagerort für vielfältiges Expeditionsmaterial.

Während das Filmteam Paul&Daniela unsere Kanuflotte unermüdlich auf dem Wasser begleitete, Kamera und Paddel im Wechsel in der Hand haltend, erkundete die Forschungsgesellschaft die unbekannten „Lebensräume“. Sichtbare und unsichtbare Zeitgenossen haben wir mit unterschiedlichsten Mitteln ausfindig gemacht und für kurze Zeit eingesammelt, um sie danach wieder in ihre Freiheit zu entlassen. Zum zeichnerischen Studium der Funde dienten entweder die Ufer der Spree oder das Mikroskopierzentrum des Naturkundemuseums.

Wer oder was hat es geschafft hier zu überleben? Wer hält es aus neben den grölenden Badenixen am Badeschiff? Unter den Öl leckenden Schiffsschrauben der touristischen Fahrgastschifffahrt? Den Bierflaschen- und Müllkatapulten der Partypeople? Und Fluten von Abwasser der Kreuzberger und Friedrichshainer, bei heftigem Regen genauso in die Spree strömen wie vor 140 Jahren, als die Kanalisation gebaut wurde? Da wurde nicht zu unrecht und mit Entrüstung gefragt:
“Wie kann der Senat so viele Millionen in einen unnützen Flughafen stecken und hier fließt die Kacke in die Spree?”


Aber seht selbst, es ist ein toller Film entstanden: